„Eine total sinnvolle Zeit“ Eindrücke vom Freiwilligen Sozialen Jahr in der Kultur

10.8.2010



Sie ist ein Energiekraftwerk: Tänzelt, pfeift und summend eilt sie vom Radiostudio den langen Gang zurück ins Büro. Doch zunächst fallen ihre Dreadlocks ins Auge. Das feuerrote Haar ist etwa einen Meter lang und für „Dreads“ offensichtlich optimal verfilzt. Dorli Flämig, 20 Jahre, umfasst mit einer energischen Bewegung ihr Haar und bändigt die Pracht mit einem Haargummi. „Diese Zeit hier brachte mich persönlich wahnsinnig voran“, erzählt sie und meint damit ihr „Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur“, dass sie im jfc Medienzentrum Köln demnächst abschließen wird. „Viele Kontakte haben sich ergeben. Es ist cool, so viele Gleichgesinnte und kulturell Interessierte zu treffen.“

Nach dem Abitur wollte sie sich erst einmal orientieren, um sich nicht ‚blind’ in irgendein Studium zu stürzen. Sie wollte immer schon „irgendwas mit Kultur und Medienpädagogik“ machen. Bei der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit, Bildung und Kultur informierte und bewarb sie sich und bekam eine Auswahl an Stellen präsentiert. „Das jfc Medienzentrum habe ich mir ausgesucht, weil es hier um Jugend, Kultur und Medien geht.“ Ihre Augen funkeln begeistert: „Im Arbeitsalltag lerne ich unglaublich viel. Es ist nicht wie in der Schule. Hier muss man sich selbst organisieren, man muss und darf Verantwortung übernehmen. In manchen Projekten bin ich als Assistentin dabei, aber man wächst auch mehr und mehr in die Aufgaben hinein und macht immer mehr eigenständig. Da probiert man sich aus ohne allein gelassen zu sein. Mir gibt das Feedback der Kollegen den nötigen Rückhalt. Und es gibt einfach so viele tolle Projekte. Kürzlich haben wir in einer Ferienaktion Zeitungen mit Kindern und Jugendlichen gestaltet. Dann ist da noch die Mädchen Medien Woche, wo Mädchen sich in den Ferien beruflich orientieren und praktisch ausprobieren können. Oder yougle! eine Onlineplattform, wo ich mich mit Texten, Audiobeiträgen und Videos über die Jugendarbeit in NRW austoben konnte. Im Rahmen eines gemeinsamen Videoprojektes bin ich nach Israel gereist und habe dort viele neue Eindrücke über das Leben der Jugendlichen dort gewonnen“, ergänzte sie und fährt fort: „Daneben gibt es noch das eigene Projekt. Da darf jeder FSJKler sich in seiner Stelle kreativ und innovativ betätigen. Ich hab zum Beispiel ein medienpädagogisches Spiel entwickelt. Bei den anderen war von eigenen Theaterproduktionen über Redaktionsworkshops bis hin zu Filmwettbewerben alles dabei. Sie lacht hell auf: „Ich rede ja ohne Punkt und Koma.“ Für einen Moment hält sie inne und scheint das vergangene Jahr innerlich Revue passieren zu lassen. „Auf jeden Fall gehe ich jetzt mit einem anderen Fokus ins Studium“, sinniert sie. „Es war eine total sinnvolle Zeit. Sie hat mich inhaltlich und persönlich weiter gebracht. Mir wurde manche Illusion genommen – dafür habe ich ein realistischeres Bild der Arbeitswelt bekommen.“

Dorli Flämig wird ab Herbst an der Uni in Köln Medienkulturwissenschaft als Hauptfach und Medienmanagement als Nebenfach studieren. „Eigentlich kommt es nicht darauf an, was ich studiere“, meint sie lächelnd, „sondern darauf, was ich daraus mache. Ich glaube jetzt noch mehr, dass dies in meiner Hand liegt.“

Dann fällt ihr noch etwas ein: „Der größte Spaß überhaupt waren die Seminare“, erklärt sie strahlend. „Alle FSJ Kulturler NRW’s treffen sich aufgeteilt in drei Gruppen in vier Seminaren. Da tauschen wir uns aus, haben kreative Workshops und vor allem viel Spaß. Es ist unglaublich, was in so einer Woche entstehen kann, wenn 40 oder sogar 120 kreative Köpfe aufeinander treffen. Außerdem gibt es bis zu fünf ‚Bildungstage’. Das sind Schnuppertage zur beruflichen Orientierung. Man schaut in andere Bereiche, zum Beispiel Theater, Bibliotheken oder in die verschiedenen Kulturstudiengänge. Ich fand das interessant. Danach war ich mir sicher, im jfc Medienzentrum für mich das richtige Arbeitsumfeld gefunden zu haben.“

Sie springt auf und löst mit einer geübten Handbewegung das Haargummi. Die roten Rastalocken fallen ihr wieder über die Schultern. Summend enteilt sie über den Büroflur. Langes

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