Big Data: Aussteigen und abtauchen? ... nicht möglich. Aufklären ja, aber wie?

29.10.2014 | Eigentlich wissen wir es längst: es ist uns nicht mehr möglich, keine Datenspuren im Netz zu hinterlassen und sich der Auswertung unserer Daten zu entziehen.



Und: die Ebene, auf der wir bewusst entscheiden, welche Privacy-Option wir anklicken und was wir ins Netz stellen, ist nur die offensichtlichste, doch lange nicht die wichtigste Quelle aus der die „Großen“ des Internet (Google, Facebook, Apple, Amazon) ihre Infos beziehen und weiterverkaufen.Die freundlichen, vernetzten Maschinen, mit denen wir umgehen, liefern, ohne dass wir das mitbekommen oder abstellen können das Datenfutter für Algorithmen, die die erstaunlichsten Prognosen und Identifikationen ermöglichen. Auswertungen von Tweeds können Börsendaten voraussagen, das Vorhandensein u.a. von Schriftarten auf dem Rechner die Kreditwürdigkeit... Diese Form der Voraussage beinhaltet einen dramatischen Paradigmenwechsel: Kausalität wird durch Korrelation ersetzt. Was geschieht da mit der (sozialen) Wirklichkeit? Mit seinem sehr informativen und fassettenreichen Vortrag initiierte Dr. Harald Gapski vom Grimme Institut eine spannende Diskussion, zu der zahlreiche Fachleute aus dem Bildungs- und Medienbereich und der Politik - z.B. der kölner Bürgermeister Dr. Ralf Heinen - ins jfc Medienzentrum gekommen waren.

Klassischer Jugendmedienschutz reicht nicht aus


Deutlich wurde, dass sich die bisherigen medienpädagogischen Ansätze im Bereich des Jugendmedienschutzes vor allem auf die bewusst eingegeben Daten beziehen. Noch wenig entwickelt sind Methoden, die dazu beitragen, die wirtschaftlichen und politischen Implikationen von Big Data verstehbar zu machen, ganz gleich ob das Apps oder Cookies sind, Metadaten des GPS im Auto oder des Bankautomaten, der Gesundheitskarte, der Smartwatch oder, oder...

Die Energie der Fragen nutzen


Neben dem Gefühl von Ohnmacht und Ratlosigkeit entstand in der Debatte eine spürbare Energie, diese Fragestellungen anzunehmen und gemeinsam zumindest Aufklärung zu leisten. Junge Menschen brauchen, da war man sich einig, Hintergrundinformationen, um diese für ihre Zukunft so wichtigen Fragestellungen nicht nur aus der individuellen Perspektive (wie verhalte ich mich richtig?) sondern auch aus einer politischen Perspektive (welche Interessen stecken hinter den Algorithmen? Wie wirken unsere kollektiven Handlungen?) zu betrachten. Nur so können weiterführende Fragen gestellt werden: wenn Daten das „Rohöl der Zukunft“ sind, wem gehören die Daten und die Gewinne daraus? Wenn jede Person in unserem Land eine digitale Spur hinterlässt, was bedeutet das für die Demokratie? In welchem Verhältnis steht unser Bedürfnis nach Sicherheit und Bequemlichkeit zu unserem Wunsch nach Freiheit? Wenn die Digitalisierung immer mehr menschliche Arbeit ersetzt, wie sichern wir dann die sozialen Systeme? Wie können wir den Staat ermutigen, unsere Persönlichkeits- und Urheberrechte vor internationalen Konzernen und „befreundeten“ Ländern zu schützen? Wie kann der soziale Wert des Teilens von der Enteignung durch Google, Facebook und co. unterschieden werden?
Mehr Fragen als Antworten standen am Ende der Diskussion, doch ist damit zu rechnen, dass diese wichtigen Fragestellungen eine große Beharrlichkeit entwickeln, auf die am Ende schließlich und hoffentlich auch Antworten folgen.
So wird auf dem GMK Forum in diesem Jahr das Thema mit vielen interessanten Beiträgen aufgegriffen. http://www.gmk-net.de/?id=32

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